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Wie schreibe ich meine Thesis?

⊲ 1. Forschungsfrage ∆ Inhaltsverzeichnis 3. Vorbereitung der Dispo ⊳

2.Literaturrecherche

Der nächste Schritt ist jetzt mit allergrößter Wahrscheinlichkeit eine Literaturrecherche.

Das Um und Auf dazu ist wohl die Verwendung guter Suchmaschinen jenseits der ›üblichen Verdächtigen‹ google oder bing, die ›nur‹ Webseiten durchsuchen. Es gibt aber viel mehr! Datenbanken, Kataloge, Newsgruppen u.v.a. – und nicht auf Port 80 zu finden! Eine Deepwebsuche ist angesagt, die man mit eigens dafür gemachten Suchmaschinen durchführt.

Dazu gleich ein erster Rat vorab: übt mit den Suchmaschinen! Viele bieten logische Operatoren (AND & OR), Klammerung, exakte Stringsuche und Wildcards! Beschränkt Euch nicht auf ein paar Suchbegriffe (standardmäßig meist verodert), sondern experimentiert damit! Benützt Wildcards und das OR für Synonyme (z.B. »Datenbank* OR database*«, Um ›Datenbank‹, ›Datenbanken‹, ›database‹ und ›databases‹ in der Trefferliste zu haben. Schaut, wo es eine ›Advanced Search‹ gibt: sehr oft kann man dort genauer eingrenzen: Erscheinungsjahr und weitere Felder wie Titel, Topic, Content, Author und dergleichen mehr.

Viele Suchmaschinen bieten dann oft die Möglichkeit, das Ergebnis noch weiter einzuschränken (oder auszuweiten), um die Trefferliste zu optimieren. Wenn ich 20 000 Treffer erhalte, kann ich mich ev. auf die letzten 3 Jahre beschränken. Kommen dann nur noch 7 heraus, dürfte das Interesse am Gebiet nachgelassen haben, und ich will eventuell auf 5 oder 7 Jahre ausweiten.

Wichtig: Notiert Datum, Suchmaschine, Parameter und Trefferanzahl wieder in einem ›Forschungstagebuch‹! Man verliert viel Zeit, wenn man zu einem späteren Zeitpunkt immer wieder das Rad neu (er)finden muss!

Ein paar gute Einstiegspunkte:

CatalogPlus der Bibliothek der TU Wien
u:search der Bibliothek der Uni Wien

Verzeichnis der Opensource Repositories (OpenDOAR)

Weitere Deepweb- und ähnliche Suchmaschinen
http://scholar.google.at
Web of Science
ScienceDirect
WorldWideScience
https://www.fh-vie.ac.at/de/seite/bibliothek
http://www.sciencedirect.com/science/search
http://wu.ac.at/library/search/e-books/
http://epub.wu.ac.at

Der Haken bei der Sache ist, dass oft nur das Abstract  zum Treffer angezeigt wird, aber der eigentliche Volltext hinter einer Paywall liegt. Leider. (Eventuell zahlt es sich aus, eine der Unibibliotheken besuchen und zu fragen, ob man dort über einen Uniaccount abfragen kann.)

Zur Suche noch ein Tipp: viele Suchmaschinen geben die Anzahl der Zitationen an! Obwohl das kitzlig ist, denn ein neu erschienener Artikel kann naturgemäß noch nicht zitiert worden sein, liefert es einen wertvollen Hinweis darauf, wie wichtig ein Paper von der Fachwelt eingeschätzt wird: viele Zitationen – eher wichtiger. Aber Achtung: viele Zitationen können auch bedeuten, dass ein Artikel sehr kontroversiell diskutiert wird! Man sollte daher in ein paar hinein schauen.

Überhaupt ist die Zitationssuche, die viele Suchmaschinen anbieten, eine gute Möglichkeit, sich darüber zu informieren, was sich nach Erscheinen eines Artikels in dem Fachbereich getan hat! (Umgekehrt gibt euch die Literaturliste am Ende eines Artikels einen Überblick, was sich vorher abspielte.)

Vorauswahl

Die meisten Artikel und Paper sind ähnlich aufgebaut: auf ein Abstract folgen die Einleitung, Methode, Ergebnisse, Diskussion, Zusammenfassung (oft mit Ausblick).

Zum Lesen von Papers kommt noch ein eigener Text, hier nur eine vorab-Kurzfassung: Lest als erstes das Abstract, das in ganz kurzen Worten, meist nicht mehr als 300-500, den Inhalt des Artikels beschreibt. (Es ist eine gute Idee, das aufmerksam zu tun, denn Ihr braucht für Eure eigene Arbeit selbst ein Abstract!) Danach kann man die Zusammenfassung und dann die Einleitung lesen, die einem oft sagen, ob das, was im Hauptteil steht, für die eigene Arbeit brauchbar sein könnte. Sortiert aus, sobald Ihr den Eindruck gewinnt, dass das Paper für Eure Zwecke nicht geeignet ist. Tipp: notiert Titel und Grund dieser aussortierten Paper! Es passiert immer wieder, dass sich etwas später – unter Umständen aus völlig anderen Gründen – als doch brauchbar erweist. Als nächstes schaut euch die Abbildungen & Tabellen an und versucht einen ›roten Faden‹ zu entdecken. Erst als letztes lese ich den Hauptteil mit seiner Textmasse. Aber dazu wieder ein Tipp: Noch nicht jetzt! Denn wir befinden uns ja erst in der Vorauswahl, in der wir zusammenstellen, was wir durcharbeiten wollen! Dieser letzte Schritt kann nämlich mehrfach zeitaufwändiger sein, als die 4 vorangegangenen zusammen! Und für die Dispo genügt ja eine Zusammenstellung relevanter Literatur.

Reviews

(Anm.: Hier gemeint als Paperart; nicht die Review, die wir machen werden.) Ein Gedanke noch dazu: ›Reviews‹ sind Übersichten, wo jemand eine Literaturrecherche durchführt, Texte sichtet, kommentiert und beschreibt. Meist geht das über eine reine Inhaltsbeschreibung hinaus, sondern es werden Ideen gegeneinander abgewogen und Übereinstimmungen wie auch Widersprüchlichkeiten aufgezeigt und besprochen.

Reviews sind daher im allerhöchsten Maße geeignet, um als erstes gelesen zu werden, wenn man sich in ein Thema einlesen will! Die Literaturliste am Ende ist auch gleich immer ein hervorragender Lieferant für weitere Papers!

Material bewerten: PROMPT-Analyse

So 20-30 grob gesichtete Treffer habt ihr jetzt, aber natürlich seid Ihr grundsätzlich auf der Suche nach zitierfähigem Material. In erster Linie ist das peer Reviewtes, aber zum Einen darf man den Wert von ›grauer Literatur‹ (Bücher, Manuals, unveröffentlichte Artikel, Patente,...) nicht unterschätzen und zum Anderen ist auch die Peer Review keine Garantie dafür, dass ein Text uneingeschränkt richtig ist.

Wenn Ihr so auf ca. 10-15 Artikel eingegrenzt habt, überfliegt sie zur Gänze, um Euch einen Eindruck zu verschaffen. Dabei solltet ihr jedes einzelne, insbesondere aber graue Literatur, nach dem bereits erwähnten Merkwort PROMPT bewerten:

Provenance – Wer hat das Paper geschrieben? Ist der Autor ein anerkannter Fachmann auf dem Gebiet (Wikipedia)? Was und wie viel hat die Autorin sonst geschrieben (Suchmaschine mit Autorensuche!)? Steht ein Sponsor hinter dem Paper, der eventuell an einem bestimmten Ergebnis interessiert ist? Oder eine (welche?) Universität? Wie renommiert ist die Organisation? (siehe auch ›Objectivity‹)

Relevance – Ist der Artikel oder sind Teile daraus für meine Arbeit relevant? Das ist besonders wichtig, denn zum Einen kann man sich beim Lesen verzetteln, weil man Zeit für Artikel aufwendet, die einen, was die Arbeit betrifft, gar nicht interessieren (sollten), zum Anderen kann man sich beim Schreiben verzetteln und Dinge abhandeln, die eigentlich gar nicht in die Arbeit gehören.

Objectivity – Ist die Arbeit womöglich ›biassed‹, hat also salopp formuliert Schlagseite und man hat den Eindruck, dass ein Wunschergebnis veröffentlicht wird? (Das kann sehr leicht der Fall sein bei Behauptungen, die bspw. aus einem Software-Handbuch stammen, denn der Hersteller will ja sein eigenes Produkt als das beste der Welt darstellen!) Ein Background-Check (wer zahlt? Wer hat Interesse am Ergebnis?) kann hier helfen. ›Offizielle‹ Texte (von Behördenseite oder dem universitären Bereich) sind meistens astrein. NGOs liefern oft ganz hervorragendes Material, aber es kann sich auch minderwertige Qualität darunter befinden, wenn man im Eifer eines ›hehren Ziels‹ Publikum manipulieren will. Mangelnde Objektivität muss nicht immer ein Manko sein: deklarieren die Autoren ihren Standpunkt?

Method – (Das betrifft uns vermutlich weniger.) Beurteilt, welche Methoden zur Anwendung kamen. Haben die Autoren sauber gearbeitet? Sind Datenreihen angegeben, sind die Unsicherheiten dokumentiert und nachvollziehbar (im besten Fall: nachrechenbar)? Sind die Sample-Größen ausreichend gewählt? Sind numerische Ergebnisse konsistent mit den Schlussfolgerungen im Text?

Presentation – Handelt es sich um eine Präsentation, die offensichtlich der Informationsvermittlung dient, oder soll der Empfänger zu einem bestimmten Ergebnis gebracht werden? Ein paar Hinweislieferanten, auf die ihr achten solltet (speziell bei Webseiten): Farben, Fonts und Fontgrößen, Verwendung von Diagrammen (ordentlich beschriftet?) und Grafiken, kein logischer Aufbau und Struktur, konfuses Layout, schlechte Sprache und Schreibstil.

Timeliness – Ist klar, von wann der Artikel stammt? Ist das Entstehungsdatum für meine Arbeit relevant und passend? Oder ist der Text veraltet?

Ausführlicher wird die PROMPT-Analyse hier in einem PDF der Open University beschrieben.

Ich schlage vor, jeden dieser Bereiche mit bis zu 5 Punkten zu bewerten und alles zu verwerfen, was in irgendeinem Bereich weniger als 3 Punkte hat und insgesamt weniger als 20. (Natürlich sollte man das wieder für jedes Paper notieren.)

Und noch ein letzter Tipp: Legt euch frühzeitig eine Liste von Begriffen und Abkürzungen (und wo ihr sie herhabt und wo ihr die Bedeutung gefunden habt) an! Das macht es auch einfacher, die eigene Abkürzungsliste zu erstellen.

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Letztes Update: 01.12.2021